FG: Banklehre und Bachelorstudium als einheitliche mehrtaktige Berufsausbildung

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

das FG Münster hat in sinniger Weise die ergangene BFH-Rechtsprechung zur einheitlichen mehrtaktigen Berufsausbildung umgesetzt und damit auch weiterentwickelt (FG Münster vom 16.8.2018, 10 K 3767/17 Kg, nrkr.). Das Kindergeld war zu gewähren.

Sachverhalt
Der 1992 geborene Sohn absolvierte von August 2010 bis Januar 2013 eine Ausbildung als Bankkaufmann bei einer Bank, die als schulisches Anforderungsprofil das Abitur oder die Fachhochschulreife voraussetzte. Nach dem Ausbildungsabschluss als Bankkaufmann beschäftigte die Bank den Sohn im Rahmen einer Vollzeittätigkeit mit 39 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit weiter. Seit Mai 2013 ist der Sohn an der Steinbeis-Hochschule Berlin immatrikuliert und absolviert bei der dort angegliederten ADG Business School ein Bachelorstudium im Fachbereich "Business Administration" mit dem Schwerpunkt "Management & Finance". Hierbei handelt es sich um ein sogenanntes Projekt-Kompetenz-Studium, einen dualen Studiengang mit praktischen Ausbildungszeiten im Betrieb.

Die Kindergeldkasse hob daher die Kindergeldfestsetzung für den Sohn mit Bescheid ab Februar 2013 auf.


In Berufsausbildung befindet sich, wer "sein Berufsziel" noch nicht erreicht hat, sich aber ernsthaft und nachhaltig darauf vorbereitet. Dieser Vorbereitung dienen alle Maßnahmen, bei denen Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen erworben werden, die als Grundlagen für die Ausübung des "angestrebten" Berufs geeignet sind. Hierbei braucht die Ausbildungsmaßnahme die Zeit und Arbeitskraft des Kindes nicht überwiegend in Anspruch zu nehmen. Insoweit wird der Tatbestand der Berufsausbildung auch nicht durch eine daneben ausgeübte Teilzeit- oder Vollzeiterwerbstätigkeit ausgeschlossen, wenn die Ausbildung ernsthaft und nachhaltig betrieben wird (BFH vom 2.4.2009, III R 85/08, BStBl. II 2010, 298; BFH vom 21.1.2010, III R 68/08, BFH/NV 2010, 872; BFH vom 8.9.2016, III R 27/15, BStBl. II 2017, 278; zeitstaerken.PLUS: CD 0001 0032 2017 0002).

Das FG Münster gewährte das Kindergeld. Eine Banklehre und ein danach zum nächstmöglichen Zeitpunkt aufgenommenes Bachelorstudium im Fachbereich "Business Administration", das neben der Vollzeitbeschäftigung in der Bank ausgeübt wird, stellen eine einheitliche mehraktige Berufsausbildung dar.


Lösung:
Der Sohn ist im Streitzeitraum, d. h. von Mai 2013 bis Januar 2017, im Rahmen der Kindergeldgewährung zu berücksichtigen, da er in diesem Zeitraum eine Ausbildung (§ 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG) absolvierte und noch keine erstmalige Berufsausbildung (§ 32 Abs. 4 Satz 2 EStG) abgeschlossen hatte. Der Kindergeldanspruch ist nicht wegen der Erwerbstätigkeit des Sohnes im Umfang von 39 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit ausgeschlossen. Denn der Sohn hatte im Streitzeitraum noch keine erstmalige Berufsausbildung (§ 32 Abs. 4 Satz 2 EStG) abgeschlossen. Das Bachelorstudium stellt vielmehr einen Teil der Erstausbildung dar.


Hinweis: Beim Bundesfinanzhof sind derzeit mehrere Revisionsverfahren zu der Frage anhängig, ob eine während des zweiten Ausbildungsabschnitts parallel ausgeübte Erwerbstätigkeit immer eine schädliche Zäsur bildet, die eine Erstausbildung entfallen lässt, auch wenn die Erwerbstätigkeit neben der Ausbildungsmaßnahme Voraussetzung für den angestrebten Abschluss ist.

 

Ihr Team zeitstaerken.de
StB Jürgen Hegemann / StBin Tanja Hegemann