FG: Klimakuren in tropischen Gefilden

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SPEZIALDIALOG: Digitale AfA im Steuerrecht

Schaubild

In jetzt insgesamt drei finanzamtlichen Anwendungsschreiben als untergesetzliche Regelung ist das Ziel der Förderung der Digitalisierung durch eine einjährige Nutzungsdauertypisierung für digitale Wirtschaftsgüter nunmehr im Jahr 2022 umgesetzt worden. Es ergeben sich viele verschiedene Abschreibungsalternativen im Steuerrecht. Neben der Anwendung in der Gewinnermittlung (Steuerbilanz, EÜR) gilt die Typisierung auch in allen anderen Einkunftsarten. Unser SPEZIALDIALOG bietet einen Gesamtüberblick mit vielen Anwendungsbeispielen.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme.

Fragen bitte vorab gerne an: fragen@zeitstaerken.de

Weitere Informationen finden Sie in unserem aktuellen Flyer zum Download.

Termin:
Donnerstag, 07.07.2022, 10:00 – 11:30 Uhr inkl. Fragerunde

Zur Buchung


FG: Klimakuren in tropischen Gefilden

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

ist ein amtsärztliches Attest immer eine Grundlage für die Einkommensminderung als außergewöhnliche Belastung? Nein, wie jetzt ein aktuell veröffentlichtes FG-Urteil zeigt (FG Münster vom 23.02.2022, 7 K 2261/20 E, EFG 2022, 692, nrkr.).

Die Angabe „in tropischem Klima” in einem amtsärztlichen Attest reicht zur Bestimmung des Kurorts (§ 64 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2a) EStDV) nicht. Kosten für die Überwinterung eines an Kälteallodynie Leidenden in Thailand sind aufgrund dessen nicht als außergewöhnliche Belastungen abzugsfähig.

Begründung

Aufwendungen für eine der Behandlung einer Krankheit dienenden Reise (= Kur) sind nach ständiger Rechtsprechung des BFH als aus tatsächlichen Gründen zwangsläufige außergewöhnliche Belastungen (§ 33 Abs. 1 EStG) nur dann zu berücksichtigen, wenn die Reise zur Heilung oder Linderung der Krankheit nachweislich notwendig ist und eine andere Behandlung nicht oder kaum erfolgversprechend ist (ständige BFH-Rechtsprechung: BFH vom 23.10.1987, III R 64/85, BFH/NV 1988, 149; BFH vom 11.12.1987, III R 95/85, BStBl. II 1988, 275).

Bei sog. Klimakuren, d. h. bei Reisen, für deren Heilerfolg allein der Klimawechsel entscheidend ist, wird auf eine ständige ärztliche Überwachung am Kurort verzichtet (BFH vom 23.10.1987, III R 64/85, BFH/NV 1988, 149).

Gerade in den Fällen der Klimakur fordert der Steuergesetzgeber gesetzlich (§ 64 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2a) EStDV) und die hierzu ergangenen BFH-Rechtsprechung für die Anerkennung als außergewöhnliche Belastungen, dass ein (i) bestimmter medizinisch angezeigter Kurort und die (ii) voraussichtliche Kurdauer durch ein amtsärztliches Gutachten, welches vor Beginn der Heilmaßnahme vorliegen muss, bescheinigt werden. Um eine Abgrenzung zu reinen Erholungsreisen gewährleisten zu können und einem Missbrauch entgegen zu wirken, ist es erforderlich, dass entsprechend hohe Anforderungen an die jeweils vorzulegende Bescheinigung gestellt werden.


Ihr Team zeitstaerken.de
StB Jürgen Hegemann / Tim Adrion