hib: Ausfall von Gesellschafterdarlehen und private Darlehensausfälle in der „steuerlichen Zukunft“

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

heute hat der Bundestag seine Beschlussempfehlung des Finanzausschusses vom 6.11.2019 (BT-Drs. 19/14873) in pdf-Form veröffentlicht.
Zwei wichtige Aussagen sind hinsichtlich (1) Ausfällen von Gesellschafterdarlehen (§ 17 Abs. 2a EStG) und (2) privaten Darlehensausfällen (§ 20 Abs. 2 EStG) enthalten.

1. Information
Die Wiedereinführung des „steuerrechtlichen Eigenkapitalrechts“ im Sinne der (I) Finanzplandarlehen, (II) Krisendarlehen, (III) krisenbestimmten Darlehen und (IV) stehengelassenen Darlehen wird mit Wirkung nach dem 31.7.2019 umgesetzt werden (§ 17 Abs. 2a, § 52 Abs. 25a EStG-E).
Diese Darlehen führen entweder im (a) Nennwert oder im (b) Teilwert zu „steuerrechtlichen“ nachträglichen Anschaffungskosten auf die GmbH-Anteile und unterliegen damit dem 60%igen Teilabzugsverfahren. Steuerproblematisch wird damit wieder das wertlose stehengelassene Gesellschafterdarlehen.

2. Information
Die Verschärfung des Verlustabzugs bei den Einkünften aus Kapitalvermögen ist entfallen. Das heißt im Klartext, die unterschiedliche Behandlung von Gewinnen (Rückzahlung über dem Nennwert) und Verlusten (Rückzahlung unter dem Nennwert) ist auf Empfehlung des Bundesrats von der Bundesregierung „fallen gelassen worden“.

3. Konsequenz „Gesellschafterdarlehen“
Aufgrund des gesetzlichen Subsidiaritätsprinzips (§ 20 Abs. 8 EStG) sind Beratungen zur Optimierung schwierig. Wir berichten im AKTUELLEN STEUERDIALOG über das Einlage- und Rückzahlungsmodell, in dem der Gesellschafter und Darlehensgeber eines „stehengelassenen Gesellschafterdarlehens“ eine Einzahlung in die Kapitalrücklage tätigt, welche immer zu nachträglichen Anschaffungskosten auf die GmbH-Anteile führt (BFH vom 20.7.2018, IX R 5/15, BStBl. II 2019, 194; BMF-Schreiben vom 5.4.2019, IV C 6 - S 2244/17/10001, BStBl. I 2019, 257) und damit das „stehengelassene Gesellschafterdarlehen“ zurückführt (OFD-Verfügung Frankfurt a. M. vom 10.4.2019, S 2244 A - 61 - St 215, DStR 2019, 1820; zeitstaerken.PLUS: FD 0001 0017 2019 0003).

4. Konsequenz „Privatdarlehen“
Wenn der Bundesrat der Beschlussempfehlung ebenfalls zustimmt  – wovon wir ausgehen – muss eine private Darlehensforderung, welche wertgemindert oder bereits wertlos geworden ist, nicht zwingend bis zum Jahresende veräußert werden, um den Verlust zu realisieren. Eine steuerrechtlich zu akzeptierende Verlustrealisierung wird dann auch nach dem 31.12.2019 entsprechend der ergangenen BFH-Rechtsprechung (BFH vom 24.10.2017, VIII R 13/15, BFH/NV 2018, 280; zeitstaerken.PLUS: CD 0001 0020 2017 0009) weiterhin anerkannt. Dazu zählt dann auch der klassische Darlehensausfall.

5. Steuerrechtliche Unterscheidung
Es ist somit seit dem 31.7.2019 zwingend steuerrechtlich zu unterscheiden, ob ein Gesellschafterdarlehen oder ein Privatdarlehen ohne eine parallele GmbH-Beteiligung vorliegt.
 

Ihr Team zeitstaerken.de
StB Jürgen Hegemann / StBin Tanja Hegemann