Praxis: Laufende Einnahmen und Ausgaben einer Bestandsphotovoltaikanlage (Anschaffung vor dem 01.01.2022)

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WEBDIALOG: Aktueller Steuerdialog 2024, I. Tertial, Modul 4 / Kombi B

Schaubild

Termine Modul 4:
Mittwoch,     20.03.2024, 10.00 - 12.00 Uhr
Dienstag,     09.04.2024, 10.00 - 12.00 Uhr

Termin Kombi B:
Freitag,        19.04.2024, 09.00 - 13.00 Uhr

Weitere Informationen finden Sie in unserem aktuellen Flyer zum Download.

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Praxis: Laufende Einnahmen und Ausgaben einer Bestandsphotovoltaikanlage (Anschaffung vor dem 01.01.2022)

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

immer dieses Ärgernis mit den "unausgegorenen" Steuergesetzänderungen. Entweder ärgert sich der Bürger über Systembrüche oder er freut sich über einen unerwarteten Steuervorteil. Die Photovoltaikanlage bietet beides. 

Umsatzsteuer

Diejenigen Bürger, die einen Vorsteuerabzug beim Erwerb ihrer Photovoltaikanlage (Anschaffungen und Abnahmen vor dem 01.01.2023) gezogen haben, freuen sich. Ihr steuerlicher Berater erklärt Ihnen die umsatzsteuerlose, aus dem umsatzsteuerrechtlichen Unternehmensvermögen durchzuführende Entnahmehandlung. Eine Vorsteuerberichtigung wird nicht ausgelöst. Nach Ablauf der fünfjährigen Bindungsfrist "Wechsel vom Klein- zum Vollunternehmer" kann sogar die Vermeidung einer Abgabe der USt-Voranmeldung und USt-Jahreserklärung (nunmehr gesetzlich gewollt (§ 18 Abs. 3 UStG-E und § 19 Abs. 3 UStG-E im Wachstumschancengesetz) erreicht werden.

Ertragsteuer

Bei den Ertragsteuern - (i) Einkommen-, (ii) Körperschaft- und (iii) Gewerbesteuer - sitzt dagegen manchmal der Frust tief; es geht um diejenigen Bürger, die ihre Photovoltaikanlage vor dem 01.01.2022 (ertragsteuerrechtlich) durch Abnahme angeschafft haben. Nachlaufende Ausgaben des Jahres 2021 und des Jahres 2020 sollen im Jahr 2022 aufgrund der Steuerbefreiung (§ 3 Nr. 72 EStG) nicht abzugsfähig sein (vgl. BMF-Schreiben vom 17.07.2023, IV C 6 - S2121/23/10001). Stimmt dieses Ergebnis so oder kann man auch eine anderer Auffassung gegenüber dem Finanzamt - mit gutem Gewissen - vertreten?

Das Betriebsausgaben-Abzugsverbot (§ 4 Abs. 4 i.V.m. § 3c Abs. 1 EStG) gilt bei einem "unmittelbar wirtschaftlichen Zusammenhang". Es sind somit drei Voraussetzungen zu prüfen. Die drei Voraussetzungen – (i) unmittelbarer, (ii) wirtschaftlicher und (iii) Zusammenhang – sind kumulativ zu erfüllen, so dass sich eine laufende Betriebsausgabe mit einer steuerfreien Einnahme kombiniert. Ist dieses wirklich bei den nachlaufenden Betriebsausgaben der Fall?

Wichtig dabei: ein zeitlicher Zusammenhang ist eben nicht ausreichend. Auf einen zeitlichen Zusammenhang stellt aber gerade die Finanzverwaltung ab. Es besteht somit ein Handlungsbedarf des steuerlichen Beraters.

Die drei Voraussetzungen lassen sich kurz und knapp definieren wie folgt:

Der Zusammenhang der nachzuzahlenden Umsatzsteuer ist unzweifelhaft resultierend aus den Stromlieferungen der Photovoltaikanlage.

Die beispielhaft zu beurteilende Umsatzsteuer ist auch wirtschaftlich unzweifelhaft aus dem Betrieb der Photovoltaikanlage entstanden (auslösendes Moment).

Die Unmittelbarkeit ist nunmehr das entscheidende.  Die ursprüngliche Verknüpfung entstand in einem Zeitpunkt, in dem keine steuerfreien Einnahmen gesetzlich bestanden. Deshalb bleibt die Steuerknüpfung, also die Unmittelbarkeit des auslösenden Moments, beim steuerpflichtigen Entgelt der Stromlieferung „steuerverstrickt“ (BFH vom 13.12.2012, IV R 51/09, BStBl. II 2013, 203).

Ergebnis

Ja, wir können mit gutem Gewissen eine andere Auffassung vertreten und die nachlaufenden Betriebsausgaben einfordern. Hierfür ist - dann eben doch - eine Gewinnermittlung (EÜR) beim Finanzamt einzureichen.

Arbeitshilfe

Gerne unterstützen wir Sie mit einer Formulierungshilfe (doc-Download) zur Geltendmachung nachlaufender Betriebsausgaben einer Bestandsphotovoltaikanlage.

 

Ihr Team zeitstaerken.de
StB Jürgen Hegemann